Holt mal eure Verträge raus – Was läuft da schief bei der Ergo Versicherung?

Hallo zusammen,

Keine tollen finanziellen Neuigkeiten

fast ein Monat ohne neuer Penningfuxer-Posts – :-/

Ursächlich war vermutlich einfach, dass es nichts gab was mich jetzt besonders inspiriert hätte zu schreiben. Ich habe einen kleinen Put-Optionskontrakt zum Earningstermin von Coach Inc geschrieben der gut lief.

Ansonsten habe ich die aktuelle Hochphase von VW genutzt um meine aktuell zu starke Gewichtung auf deutsche Autohersteller zurück zu schrauben. Aber das erschien mir alles nicht interessant genug um darüber extra was zu schreiben. Aber jetzt hab ich wieder ein Thema was euch ggf auch betreffen könnte.

Was läuft da bei der Ergo Versicherung?  – Die Kaiserrente

Wie regelmäßige Leser wissen hatte ich für meinen geplanten Vergleichsbeitrag zu Altersvorsorgeoptionen gewisse Probleme beim Vergleichen.

Konkret geht es darum, dass ich eine sogenannte „Kaiserrente“ bei der Hamburg-Mannheimer – jetzt Ergo – abgeschlossen hatte. Für diese wollte ich die Erträge und Kosten auf die nächsten Jahre darstellen.

Sollte ja kein Problem sein – die Vertragsgrundlagen lagen vor und da ich die Riesterrente schon einige Jahre hatte konnte ich meine Berechnungen ja anhand konkreter Abrechnungen überprüfen.

Nun zeigte sich aber – egal wie ich rechnete: Mit den Daten aus meinem Kaiserrenten-Vertrag kam ich nicht auf die tatsächlich abgerechneten Zahlen aus der Jahresübersicht 2016. Weder bei den Verwaltungsgebühren noch bei den Abschluss- und Vertriebskosten.

Ich stellte also meine Rechnung für 2016 zusammen und schickte diese Mitte September an die Ergo mit der Bitte um Prüfung und ggf Info wie sich die abgerechneten Beträge zusammensetzten da meine Proben anhand der Vertragsdaten diese nicht bestätigten.

Das war jetzt keine Raketenwissenschaft. Ich hatte 12 Monate lang in 2016 den gleichen Betrag eingezahlt und die staatliche Zulage dazu bekommen. Daraus musste man dann laut Vertrag jeweils bestimmte Prozentsätze für die einzelnen Kostenblöcke abtrennen und das war´s (oder sollte es sein).

Anscheinend ist es aber doch nicht so trivial. Anfang Oktober (nach zweimaligen Nachbohren per Mail) bekam ich erste Antwort: „Wir bearbeiten Ihre Anfrage gerade – es dauert noch ein wenig“. Ok. Mitte Oktober dann Post im Briefkasten – Wieder nur ein Hinhalte-Schreiben („Ihr Anliegen wird bearbeitet bitte haben Sie Geduld“).

Nun sind weitere 30 Tage vergangen und von Ergo kam überhaupt keine Reaktion mehr.

Das alleine machte mich schon misstrauisch. Und durch eine andere Begebenheit mit Ergo wird dieses Misstrauen nun immer größer:

Ergo Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsversicherung – stimmt – nein doch nicht

Vertragsprobleme

Da ich mich in unregelmäßigen Abständen durch unsere Versicherungsunterlagen arbeite um potentielle Sparmöglichkeiten oder Probleme zu finden fiel mir letzten Monat dann auch die Lebensversicherung meiner Frau in die Hände.
Diese halten wir uns nicht aus Spargründen sondern weil Frau Penningfuxer in einem recht risikoreichen Berufsfeld selbständig ist und die Versicherung eine entsprechende Berufsunfähigkeitsversicherung enthält die seit vielen Jahren läuft. Daran wollte ich nichts rütteln.

Aber bei der Durchsicht bemerkte ich Ungereimtheiten.

Die Versicherung sah eine „dynamische Anpassung“ vor. Was soviel bedeutet wie das sich der Versicherungsbeitrag und die Versicherungsleistung jedes Jahr um ein paar Prozentpunkte erhöht. Das ganze ist in diesem Bereich eine/die einzige brauchbare Möglichkeit um ohne erneute Gesundheitsprüfungen etc. den Anschluss an die Inflation halten zu können.

Ich schaute mir also mehr aus Langweile den Verlauf der letzten beiden Jahre an die in etwa so waren(Zahlen jetzt fiktiv ) :

2015: neuer Beitrag 50 €, neue Garantierte BU-Rente : 500 €

2016: neuer Beitrag 55 €, neue Garantierte BU-Rente : 540 €

2017: neuer Beitrag 60,50  €, neue Garantierte BU-Rente : 595  €

Also immer eine %-uale Steigerung des Beitrages und wie erwartet eine (geringere) prozentualle Steigerung der Leistung.

Plötzlich erreichte uns im Oktober 2017 aber noch einmal ein Schreiben der Ergo über unseren aktuellen Versicherungsstand:

Aktueller Beitrag : 60,50 € – aktuelle garantierte Leistung: 540 €

Moooooment – Ich zahle den Beitrag aus 2017 mit der Leistung aus 2016???

Also wieder Mail an Ergo mit Nachfrage wie das sein kann. Dieses mal kam die Antwort schneller:

In etwa: “ Es liegt kein Problem vor. Die BU ist ja nur eine Zusatzversicherung und sie haben ja die Verrechnung der Gewinne mit Ihren Beiträgen gewählt“ . Schön – stimmt beides – hat aber überhaupt nichts mit meiner Frage zu tun.

Also neue Mail in der ich explizit auf die Diskrepanz zwischen den beiden mir vorliegenden Schreiben zur garantierten Leistung  hingewiesen habe.

Auch diesmal kam relativ flott eine kurze Antwort die überraschenderweise ausfiel:

Auch in etwa wiedergegeben : „Sie haben recht, das zweite Schreiben vom Oktober ist falsch. Fehler passieren “

Fehler passieren ?

shit happens

Das lies mich etwas erstaunt zurück. Sicher – Fehler passieren. Aber es ging hier ja nicht um eine persönliche Transaktion bei der ich zu wenig Wechselgeld bekommen habe. Ich unterstelle mal, dass einige 100.000e eine solche/gleiche Versicherung haben. Und diese Schreiben tippt ja auch nicht Lise Müller händisch ab und könnte an ´nem Montag morgen in der Zeile verrutscht sein – da steckt ja ein EDV-System hinter was diese Schreiben massenhaft erstellt und auf entsprechende Datensätze zugreift.

Gibt es noch mehr Betroffene? Sind die Auswirkungen größer als gedacht?

Für mich stehen jetzt zwei Fragen im Raum:

  1. Bin ich der einzige der zufälligerweise bei zwei Ergo-Verträgen falsche oder mindestens noch nicht erklärbare Differenzen zwischen den Vertragsgrundlagen und der tatsächlichen Vertragsabrechnung hat?
  2. Hat die lange  Bearbeitungsdauer meiner ersten Anfrage ggf. damit zu tun, dass da wieder mal „Fehler passiert“ sind die man jetzt entdeckt hat?

Ich würde die Leser unter euch mit Ergo Riesterverträgen oder BU-Verträgen bitten sich mal die paar Minuten zu nehmen und auch anhand eurer letzten Schreiben die oben genannten Sachverhalte anzusehen.

Könnt ihr diese Ungereimtheiten nachvollziehen oder hab ich einfach nur Pech und die Schreibkraft ist wirklich mal morgens mehrmals in der Zeile verrutscht? 🙂

11 Replies to “Holt mal eure Verträge raus – Was läuft da schief bei der Ergo Versicherung?

  1. Nicht Ergo
    Aber Riester bei Union (Volksbank) und bAV (DV mit Fonds Anteil bei Zurich): im Prinzip immer dasselbe:
    Intransparenz, Kostenmaximierung, Leistungsminimierung
    Deshalb
    Riester gekuendigt und bAV beitragsfrei gestellt

  2. Mir fehlen hier konkrete Zahlen. Du schreibst etwas von Kosten. Bitte sei dir bewusst, dass es eigene Beiträge und Zulagen i.A. unterschiedlichen Kostensätzen unterliegen. D.h. es gibt nicht den einen Kostensatz, mit welchem der Vertrag nachgerechnet werden kann.

    Leider wird bildet das Versicherungsvertragsgesetz VVG nur unzureichend ab, wie eine geeignete Darstellung der Kostensätze im Vertragstext gegeben werden kann.

    Den BU-Fall verstehe ich nicht.

    1. Hey Stefan,

      sorry – ja ich habe es nicht an genauen Zahlen nachgestellt.
      Hier ein Auszug aus dem konkreten Fall:
      Versicherungsurkunde der Ergo Kaiserrente sagt „Verwaltungskosten : 5,4 % der jährlichen Beiträge + 0,05 % der Beitragssumme + 12,5 % der Zulage“
      In meinem Fall bedeutet dies:
      Jährlicher Beitrag 2016 : 240 € – daraus resultierende Verwaltungskosten (5,4%) = 12,96 €
      Summe der Beiträge (8 Jahre bisher) : 1920 € – daraus resultierende Verwaltungskosten (0,05 %) = 0,96 €
      Zulage 2016 : 28,15 € – daraus resultierende Verwaltungskosten (12,5%) = 3,52 €
      Zusammen sollten es also ~ 17,44 € Verwaltungskosten sein.

      Abgerechnet wurden mir aber 21,89 €

      Zum BU Fall:
      Hier wurde im Oktober ein Schreiben verschickt welches den aktuellen Versicherungsbeitrag korrekt bezifferte. Als „garantierte Leistung“ jedoch eine viel zu niedrige Zahl (bei der die dynamische Erhöhung des letzten jahres nicht enthalten war )wie man nach zwei Mails dann anerkannt hat.

      mfg
      Oli

  3. Hi Oli,

    die Beitragssumme ist i. A. definiert als die Summe aller Beiträge von Vertragsbeginn bis Ende, d.h. das sind nicht die bisher eingezahlten Beiträge (ich nehme an ohne Zulagenbeiträge), sondern alle Beiträge, die insgesamt anfallen werden.

    Bitte die Verwaltungskosten noch einmal und schaue, ob es passt.

    Lg Stefan

    1. Hey Stefan,
      Ich hab meine Vertragsunterlagen wegen Laufzeit gerade nicht vorliegen aber grob überschlagen könnte das hinkommen, Danke für den Einwand.

      Aber wenn das so ist:
      – Was wäre wenn ich jetzt angefangen hätte mit 200 € Monatsbeitrag. Die werden dann auf 30+ Jahre hochaddiert und ich zahle die Gebühren dafür schon jetzt – obwohl ich den Betrag vieleicht in 1-2 Jahren auf 30 € runterkürze. Das ist doch mindestens Abzocke ^^

      mfg
      Oli

  4. Fordere mal eine sog. Zerlege-Aufstellung an. Ist eine tolle Excel-Tabelle (deren Erstellung etwas dauert – auf Anbieter-Seite), aber da siehst Du mal was noch so an Kosten oder „versteckten“ Kosten bzw. Gebühren abgeht und was effektiv und zu welchen Kursen o.ä.angelegt wird und abgezogen wird.

    War damals bei mir (anderer Anbieter) sehr beeindruckend und für mich das i-Tüpfelchen zur Kündigungs-Entscheidung.
    Auch ich musste mehrfach nachfragen, aber das dranbleiben hat sich gelohnt. Einerseits auf Grund der damit gewohnenen Erfahrung und Erkenntnis und andererseits für meine Entscheidung wie es weiter geht.

    1. So grob waren es in den ersten 5 Jahren der Provisions-Zillmerung von 100 EUR Beitrag ca. 50-60 EUR die effektiv ankamen und arbeiten konnten. Da sie letzten Endes in einem Hedgefonds mit Garantiehöchstständen landeten, war der Etrag jetzt nicht so toll.
      Nach den Provisionszahlungen (abgesehen von den kleineren, später folgenden, auf Grund von Dynamisierungen) waren es ca. 70 EUR die ankamen. Da gingen immer noch viele Gebühren ab.

      Eine zweite Chance bei einem anderen Anbieter: Dort waren es auch 20-30 an Gebühren (Provision aussen vor gelassen), die pro 100 EUR angelegt wurden. Das kann ich besser (TER 0,5% plus Ordergebühr ETF: 1,5% sind ca. 2 EUR bei 100 EUR pro Jahr, ggf. sogar weniger, die weggehen).
      Und das alles damit in 40 Jahren ein Garantiebetrag von ca. 70k rauskommt – Der Gebühren sei Dank. Das kann ich mit den selben Einzahlungsbeträgen über denselben Zeitraum über viele Längen und Renditen besser. Ganz langweilig ohne Zockerei o.ä….

    2. Bei dem zweiten Vertrag, entdeckte ich einen Satz, der meiner Meinung nach die Auflistung (Tabellen) mit den garantierten Rückkaufwerten auhob. Sprich es war nichts mehr garantiert.
      Mein „Berater“ meinte nur, das kann nicht sein. Ein paar Wochen später kam ein Anruf vom Versicherer. In der Leitung war ein Dr. jur. der meinte: „Sie haben Recht. Der Satz hebt die Garantien auf und setzt damit 2 Seiten an Tabellen ausser Kraft. Den Fehler hat keiner der Juristen hier bemerkt und das Produkt ist in der Tarifform seit 2 Jahren auf dem Markt.“
      Man muss anmerken, das ich kein Jurist bin.

      Kurz darauf kam ein Schreiben in dem der Satz „korrigiert“ wird. Ähnliches eines Nachtrages ala akzeptiere die neue Bedingung oder kündige. Und das obwohl die Versicherung doch nur das Beste für den Kunden will laut „Berater“, der konnte das gar nicht glauben. Für den brach glaube ich eine Welt zusammen, da er bisher die eingetrichterten Verkaufsslogans geglaubt hatte.

      Der Satz wurde umformuliert, aber die Garantie-Rückkauf-Werte sind weiterhin „nicht mehr garantiert“. Also zu meinen Ungunsten.
      Damit hatte sich dann der zweite Versuch auch erledigt.

  5. I. A. ist nach einer solchen technischen Vertragsänderung (in diesem Falle Beitragsreduktion) die Bezugsgröße „Beitragssumme“ ab dem Zeitpunkt der Beitragsreduktion neu zu rechnen, also zu reduzieren. Wie das einzelne Gesellschaft wie z.B. ERGO genau machen, weiß ich allerdings nicht.

  6. Hallo, in einem anderen Leben bin ich Finanzautor, 35 Jahre von der Lebensversicherung versa.. ähemm geprägt.

    Zur Beitragsreduktion/Kostenverrechnung:

    Dabei bitte unterscheiden, wann. In den ersten 5 Jahren erhebt der Versicherer (VR) die Abschluss- und Vertriebskosten (dort stecken vor allem die Provisionen drin). Mit jedem neuen Vertragsjahr belastet der VR ein weiteres Fünftel dieser Kosten. Beispiel: Beitragssumme 25.000 €, macht bei 4% Kostensatz 1.000 €, die du die ersten 5 Jahre verteilt werden.

    Wer dann etwa im 4. Vertragsjahr kündigt, hat 4/5 der Kosten verloren (4 Jahre x 200 = 800€).

    Wird im 4. Jahr statt Kündigung der Beitrag reduziert – nehmen wir an halbiert – dann fallen für das 5. Jahr nur die hälftigen Abschlusskosten an. Es wird NICHT rückgerechnet, also nicht so getan, als wäre der Vertrag gleich mit dem halben Beitrag abgeschlossen worden. Abgelaufene Jahre sind provisionskostenmäßig verlorene Jahre.

    Wird der Ertrag erst im 6. Jahr oder später gekündigt, reduziert und beitragsfrei gestellt, dann sind die Abschlusskosten ohnehin verloren. Übrigens: früher war es noch schlechter; da würden die Provisionen dem Kunden mit Vertragsbeginn gleich voll belastet. Die 1.000€ meines Beispiels waren dann exakt 1 Sekunde nach Vertragsbeginn futsch. So oder so. Heute frisst der Versicherer das Geld in 5 Jahreshäppchen … na ja Happen.
    – – –
    Weitere Kosten für die laufende Verwaltung (anteilig vom Zahlbeitrag p.a. oder Kapitalstand oder Zulagen bei Riester) setzt der Versicherer entsprechend den tatsächlichen Werten an. Im Falle einer Beitragsreduktion werden ab Umstellungszeitpunkt entsprechend niedrigere Verwaltungskosten erhoben. Umgekehrt steigen die Verwaltungskosten der absoluten Höhe in Euro nach (nicht prozentual) nach mit dem Beitragszuwachs, etwa beim Dynamikverträgen oder wenn der Riester-Sparer mehr einzahlt.

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