P2P-Kredite – Eigentlich traue ich euch ja nicht aber….

Spätestens seit die Auxmoney-Werbung auf allen Kanälen im letzten Jahr kennt wohl mittlerweile jeder das Konzept der P2P Kredite: Privatleute leihen anderen Privatleuten (meistens) Geld ohne die komplexen und langwierigen Formalitäten wie bei Bankkrediten und schon kann man sich den gewünschten Urlaub oder den tollen Fernseher leisten.

Jeder der Finanzblogs  liest kann vermutlich auf Anhieb verstehen warum man als Investor nicht unbedingt aufspringt und fragt wo man denn das Geld für die Kreditnehmer hinschicken soll.

Warum ich -eigentlich- von P2P-Krediten nichts halte 

Meine Abneigung gegen das Model der P2P Kredite fußt auf zweierlei Bedenken.

Nummer 1  ist meine Erwartungshaltung an die Leute die – von der Fernsehwerbung angelockt – zu diesen Seiten geführt werden. Vor meinem geistigen Auge sehe ich da Schantalle und Kevin die zwischen Berlin Tag und Nacht die Werbung sehen.

“ Hey Kevin – kuck mal die sagen man bekommt da auch Geld ohne das Schufi oder Schufuteil was der Bänker gemeint hat  was bei uns so kacke ist“ „Höhö geil dann hol ich uns da schnell die Knete die wir für den Malleurlaub mit Justin brauchen – auf den Termin beim Amt hab ich nächste Woche eh kein Bock“

In etwa so sehen in meinen Augen die potentiellen „Kunden“ der P2P Plattformen aus – Für irgendeinen Konsumscheiss langt die Knete nicht und keine „seriöse“ Bank hält einen für kreditwürdig. Und irgendein Depp „leiht“ denen dann auch noch Geld.

Nummer 2 auf meiner P2P-Kritik-Liste sind meine eigenen Erfahrungen mit Schuldnern in Deutschland. Die Ausführung ist im Nachhinein gesehen etwas länger geworden – vlt. aber auch ganz interessant für Leute die sich fragen „Was kann man eigentlich machen wenn jemand nicht bezahlt“ .
Ich arbeite nebenbei selbstständig und wie es im B2C-Bereich nun mal ist kommt man auch mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen nicht umhin mal an einen der “ Ich bestell mal , zahlen kann ichs eh nicht“ – Fraktion. In den ersten euphorischen Anfangsmonaten meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit hielt ich das nur für ein kleineres Problem. „Der Rechtsstaat wirds schon richten, es kann ja nicht sein, dass man mir einfach Geld klauen kann ohne dafür bestraft zu werden“. – nunja….

Ich begann bei meinem ersten Schuldner also, an das Gute im Menschen glaubend, mit ein paar Briefen und Anrufen in der Hoffnung, dass die Rechnung nur vergessen wurde. Obwohl der Kunde bei Rückfragen zur Bestellung stets schnell reagierte war jetzt wo die Ware geliefert wurde kein Mucks mehr zu hören. Telefonisch nicht mehr zu erreichen.
Irgendwann war es mir dann zu bunt und ich beschloss es diesem Schmarotzer so richtig zu zeigen. Anwalt kontaktiert  – „Natürlich treiben wir unsere Kosten direkt auch beim Schuldner bei – in der Regel kostet sie das dann nichts Herr Penningfuxer„.  Die kleinen *** im Kleingedruckten habe ich dann nur überflogen – Anwaltsdeutsch spreche ich eh nicht so gut.
Nach einigen Anwaltsschreiben (die der gute Mann mit allen kalligraphischen Schnörkeln auf Goldpapier verfasst haben musste wenn man sich die Preise ansah)  beschied er mir, dass es nur noch den gerichtlichen Weg gab. Also das ganz dicke Brett bohren – aber „Hey warum nicht – wird ja eh alles dem Schuldner in Rechnung gestellt und der hat das verdient“.
Also Mahnbescheid beantragt, wieder keine Reaktion, also flatterte mir nach ca 5 Monaten ein dickes Schreiben des Anwalts ins Haus. Das Gericht hatte dem Mahnbescheid entsprochen und mir einen netten Schuldtitel ausgestellt mit dem ich nun weiter gegen den säumigen Schuldner vorgehen konnte.
Mit dem eigentlich positiven Schreiben kam dann auch der erste Schockmoment – Die Rechnung vom herr Anwalt – mehrere 100 € und ca. das doppelte des Schuldenwertes. „Aber das kostet mich doch nichts dachte ich?“ – „Keine Sorge – das ist im Schuldtitel enthalten und sie können es sich vom Schuldner zurückholen„. Na dann jetzt aber ran – Gelbe Seiten geöffnet- Gerichtsvollzieher gesucht und per Mail beauftragt mir mein Geld zu bringen.
Was per Post kam war aber kein Geld sondern erstmal wieder eine Zahlungsaufforderung vom Gerichtsvollzieher – der gute Herr macht nämlich auch keinen Finger krumm ohne bezahlt zu werden. Und das übliche „Mein Honorar wird natürlich auf den Schuldner umgelegt und somit für Sie ohne Zusatzkosten“. Bis dahin war mein Optimismus dann schon ziemlich flöten gegangen – aber es hilft ja nichts jetzt soll der den auch ordentlich ausnehmen.
Die finale Ernüchterung kam wiederum einige Wochen später – Statt einem dicken Geldbündel war im Brief des Gerichtsvollziehers ein 2-seitiges Dokument mit ein paar Kreuzen drauf und ein Anschreiben in dem mir beschieden wurde dass „der Schuldner nicht über pfändbares Vermögen oder Wertgegenstände verfügt und die Pfändung somit erfolglos war“.
Das also hat mir der ganze Stress, die etlichen Mails und Briefe und die ganzen Ausgaben gebracht? Ein Schreiben in dem der Kevin aus Berlin angibt das er kein Geld hat und damit ist die Sache erledigt?
ich wollte es nicht glauben. Aber eine (natürlich wieder nicht kostenlose) Rückfrage beim Anwalt beschied mir das „da wohl nichts zu holen sein“. Ich hatte mit meinem 30 Jahre gültigen Schuldtitel schon das maximal in der Hand was ich im Rechtsstaat tun konnte.

Da mich der Rechtsstaat nicht weiter unterstützen wollte und ich zugegebenermaßen extrem angefressen war suchte ich also nach „anderen“ Alternativen. Immerhin hatte jeder schon einmal von Moskau-Inkasso gehört – und auf welchem Weg mir die mein Geld beschaffen war mir dann herzlich egal. Nun arbeitet das „Orginal“ Moskau-Inkasso aber nur ab Beträgen von 20.000 € aufwärts. Aber zum Glück gab es ja andere Dienstleister die bei säumigen Schuldnern „Hausbesuche“ machen würden.
Also dort alle Dokumente abgegeben und mich diesmal doppelt versichert, dass mich das Abenteuer keinen Cent kosten würde – das war tatsächlich so – im Gegenzug musste ich aber 40% meiner Forderung an die Jungs abtreten bei Erfolg. Egal – das wars wert – auch wenn es 90% gewesen wären. ich war fest entschlossen dieser Pfeife eine Lektion zu erteilen.
Das nächste was ich dann Monate später im Briefkasten fand war – nein nicht der kleine Finger des Schuldners wie ich es mir evtl. in dunklen Momenten ausgemalt hatte – sondern ein Schreiben eines anderen Rechtsanwaltes der mich darauf hinwies , dass meine Moskau-Inkasso-Juniors insolvent waren und er mir im Auftrag alle Dokumente zurück übermittelte.

Und hier habe ich dann wirklich aufgegeben . Obwohl ich wusste

  • wer mich betrogen hatte
  • nachweißen konnte wie und um wie viel er mich betrogen hatte
  • einen Anwalt bezahlt habe
  • ein Gerichtsurteil „gewonnen“ hatte
  • alle legalen und halb-legalen Wege ausprobiert hatte

hatte ich am Schluss unterm Strich eine fast 4-stellige Summe an Ausgaben stehen und 0 Wirkung auf den verdammten Sack der mich beschissen hatte.

Deshalb bin ich extrem misstrauisch wenn ein Anbieter meint er könnte die Ausfälle durch ein „professionelles Inkasso minimieren“ oder gar „ausschließen“  –> Wenn einer in Deutschland nicht zahlen will und sich auch nur ein bisschen clever anstellt dann muss er das nicht – als Gläubiger kannst du dann noch viel mehr gutes Geld hinterherwerfen und lauter „Experten“ und „Gerichte“ beschäftigen – du siehst trotzdem keinen einzigen Cent. 

Warum ich TROTZDEM mal mein Glück mit P2P Krediten versuchen werde

Erneut über das Thema gestolpert bin ich beim Lesen des P2P Beitrages vom Bloggerkollegen „Finanzfisch“ . Dieser berichtete vom P2P Portal ViainvestViainvest ist natürlich weder der einzige , noch der neuste oder größte P2P-Kreditanbahner. Aber die Eckdaten machten mich doch neugierig:

ViaInvest P2P Kredit

  • 10 -12 % Rendite
  • Kurzlaufende Darlehen von 7 -30 Tagen
  • Eine „Buyback“ Garantie für die Kredite
  • Anscheinend reibungslose Abwicklung bisher beim Finanzfisch und auch bei anderen P2P Bloggern.

Also habe ich mir das ganze auf der Viainvest Seite mal angesehen – Die Kredite gehen wohl hauptsächlich nach Spanien und Tschechien. In diesen Länder scheint – so man den Bloggerkollegen glauben kann die Kredit-Mentalität eine andere zu sein. Derartige hohe Zinsen würde bei uns niemand akzeptieren und schon gar nicht zurückzahlen.
Die Buyback-Garantie wiederum gewährt (wenn ich es richtig verstehe) die Möglichkeit, dass der Kreditvermittler den Kredit zurückkauft wenn der Schuldner 30 Tage mit der Zahlung im Rückstand ist. Also in dem Fall übernimmt er dann wieder das weitere Ausfallrisiko.

Alles zusammengenommen bin ich natürlich immer noch misstrauisch – aber die guten Erfahrungen der anderen Finanzblogger und vor allem die Rückkaufgarantie haben jetzt doch meine Neugier geweckt.

Deshalb werde ich in den nächsten Tagen mal ein wenig freies „Spekulationsgeld“ zu Viainvest verschieben und euch dann hier auf dem laufenden halten…. Drückt mir die Daumen 🙂 – und hinterlasst gerne auch eure Erfahrungen mit Schuldnern im speziellen und P2P Krediten im allgemeinen.

9 Replies to “P2P-Kredite – Eigentlich traue ich euch ja nicht aber….

  1. Schöner Artikel und ein gesundes Misstrauen!
    Die P2P Plattformen bieten hohe Zinsen und haben damit auch ein sehr hohes Risiko.
    Deshalb Augen auf und nicht mit zu Kapital rein gehen.
    Wenn dir Viainvest gefällt, schau dir auch mal Swaper an. Hier könntest du weiter diversifizierten und auf Polen und Georgien streuen.
    Denk bei Viainvest an die Ansässigkeitsbescheinigung vom Finanzamt, sonst werden Steuern auf die Zinsen einbehalten.

    1. Danke für deinen Kommentar 🙂
      Jap ich weiß ja , dass es mittlerweile unzählige dieser P2P Plattformen gibt.
      Wenn die Erfahrungen mit ViaInvest positiv sind werde ich da definitiv auch diversifizieren … aber wie geschrieben ..noch ist das Misstrauen groß ^^

  2. Kann dem Hobbyinvestor nur zustimmen. Nur einen kleinen Prozentsatz deiner gesamt investierten Summe in P2P Kredite stecken, am besten die kleinstmögliche Summe (je nach Plattform meist 5, 10 oder 25 Euro) pro Kredit investieren und am besten noch auf mehreren Plattformen investieren, so hast du dein Geld breit gestreut.
    Ich habe mich auch gestern bei Viainvest angemeldet nachdem ich den Artikel beim Finanzfisch gelesen hatte. Ich habe allerdings schon P2P Erfahrung mit Mintos (sehr zufrieden), Bondora (ebenso) und der deutschen Plattform Lendico (würde ich nicht mehr machen, niedrige Zinsen und lange Laufzeiten).
    Viel Erfolg,
    Julia

    1. Hey Julia, danke für die Rückmeldung.
      Diversifikation ist ja immer gut – hast du schon konkrete negative Erfahrungen bei P2P gemacht, also wirklich Zahlungsausfälle die man mit Verteilung gemindert hätte?

    2. Hallo Oli,
      ja, bei Lendico und Bondora sind bei mir aktuell schon mal der ein oder andere Kredit überfällig. Konkrete Zahlen sind hier glaube ich nicht sinnvoll weil ich aktuell bei diesen beiden Plattformen nur noch wenig Geld investiert habe. Zu sagen „einer von meinen 5 Krediten bei Lendico ist überfällig“ ist nicht repräsentativ. Und es kann ja sein, dass ich das Geld wieder bekomme, zwar verspätet aber eben nicht ein komplett ausgefallener Kredit.

      Bei Mintos greift die Rückkaufgarantie, überfällige Kredite wurden zurückgekauft (sprich ich bekam mein Geld zurück).

      Grüße,
      Julia

    3. Hey Julia,

      danke für die Rückmeldung – ok also solange die Rückkaufgarantie klappt sind ausgefallene Kredite ja (für den Investor) kein Problem. Darf halt nur nicht die ganze Firma in de Abgrund reißen.
      Ich hab Anfang der Woche das erste Geld in Viainvest gesteckt und alles per Autoinvest rausgehauen. Mal schauen was passiert 🙂

      mfg
      Oli

  3. Kanns sein, dass Viainvest für Blogartikel zahlt? Ist mir schon beim Finanzfisch aufgefallen, dass er die Plattform komplett unbegründet als seinen Favoriten(!) herausstellt. Unbegründet deswegen, weil die Plattform sehr jung ist und sie keinerlei Vorteile gegenüber den älteren, etablierteren Plattformen wie Mintos und Twino aufbietet. Versteht mich nicht falsch, man kann die Plattform durchaus mit dazunehmen um das Plattformrisiko zu verringern, aber hört bitte auf grundlos junge Plattformen zu hypen …

    1. Hey,
      ich würde aus meinem Post jetzt eher das Gegenteil eines Hypes rauslesen ^^. Ich habe nach wie vor die Befürchtung, dass ich bei P2P eher Geld verlieren als gewinnen kann(wegen der beschrieben Punkte).
      Das ich es dennoch probieren will liegt daran, dass für mich die Rückkaufgarantie – wenn ich sie denn richtig verstanden habe – die meisten Risiken wegnimmt (außer ViaInvest geht pleite).
      Das ich erst bei ViaInvest „aufspringe“ und alle vorher gehypten ausgelassen habe halte ich für Zufall. Es gibt ja zig verschiedene die alle irgendwie das gleiche machen.
      Und anfangs scheinen auch alle gut zu laufen bis nach einiger Zeit dann keine Kreditnehmer mehr da sind. Gut möglich, dass es hier bei ViaInvest genauso kommt.

      Ich werde das ganze nur testen – wenn es gut läuft natürlich auch mit anderen P2P Anbietern. ViaInvest ist jetzt halt mal die neuste Sau die durchs Dorf getrieben wird ^^

    2. Das stimmt schon. Durch die Rückkaufgarantie liegt das größte Risiko dabei, dass die Plattform ausfallen Kredite nicht mehr auffangen kann und plaeite geht. Gerade unter diesem Gesichtspunkt macht es wenig Sinn als erste Plattform eine relativ neue Plattform zu nehmen. Ich investiere seit 23 Monaten und fahre bisher ausgezeichnet mit Mintos, Twino, aber auch Bondora und Fellow Finance. Hatte bei den Plattformen nie Probleme auch größere Summen per Autoinvest zu investieren (hoffen wir das es so bleibt). Kann Dir nur raten zu Beginn die Kombiation Rückkaufgarantie + etablierte Plattform zu wählen. Ich investiere nur in weitere Plattformen wie Swaper, Viventor, Estateguru, Saving Stream und irgendwann mal in Viainvest und weitere, weil ich nicht extrem große Summen auf einer Plattform parken will.

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