Tvtipp: Warum ein selbstgenutzte Immobilie doch nicht das schlechteste ist

Das Thema Pro und Kontra Immobilie (zum Eigennutz)  wurde und wird in den Finanzblogs und auch sonst überall ja sehr emotional und detailreich erläutert.

Ich möchte dem ganzen keine weitere Auflistung entgegensetzen, sondern euch zur Unterhaltung und zum nachdenken eine kleine „Reportage“ verlinken. Diese greift einen Aspekt auf, der meiner Meinung nach in den finanz-bezogenen Diskussionen und Beiträgen ums Thema Immobilie nicht richtig gewürdigt wird:

Es gibt dort natürlich immer die reine finanztechnische Sichtweise die auf „Rendite, Wertsteigerung, Miet-Ersparnis, Vergleich mit Investment etc“ hinausläuft.

Dann gibt es noch die Sichtweise die sich eher auf das Thema „Flexibilität, Schulden, Sicherheit“ bezieht.

Die einen gewichten die Sicherheit und Mietfreiheit bei einer eigenbewohnten Immobilie höher, die anderen verweisen auf die größeren Ertragschancen und höhere Flexibilität beim Verzicht auf diese.

Beide großen Themenbereiche sind erschöpfend in den verschiedenen Ecken des Internets ausdiskutiert.

Die „Reportage“ auf die ich hinaus will lenkt den Fokus auf eine Sichtweise die man – zumindest als „Städter“ – aber mindestens genauso berücksichtigen sollte:

Seine eigene Position auf dem Markt 

Vermieter Macht

 

Aus Sicht der „Eigennutz-Immobilien-Gegner“ erhält man sich als Mieter seine Freiheit und Flexibilität und mit dem gesparten Geld kann man dann ganz locker immer was finden.

Das mag bis vor ein paar Jahren durchaus noch so gewesen sein.

Die Reportage, obwohl natürlich absichtlich reißerisch und eskalierend inszeniert , zeigt aber dennoch auf, dass dies nicht mehr selbstverständlich ist.

An mehreren Beispielen wird dort aus beiden Sichten (Vermieter und Mieter) illustriert das es mittlerweile weniger ums Geld als (auch) um die „Macht“ geht.
Ein Paar mit Kind bekommt keine 80 qm Wohnung, obwohl der Mann einen festen und gut bezahlten Arbeitsplatz vorweisen kann und auch deutlich über dem „Marktpreis“ zahlen könnte. Das Kind passt einfach dem Vermieter nicht.
Ein anderer Fall zeigt Mieter die auch (für mich) horrende Preise für minimalste Zimmer zahlen – aber der Vermieter hat keinen Bock mehr auf Anrufe oder Beschwerden (egal ob berechtigt oder nicht) also müssen die „raus“.

Es geht hier in in den meisten Fällen die gezeigt werden nicht um Mieter die mit Zahlungen hinterherhängen oder die sich die Mieterhöhung nicht leisten können.

Die Vermieter treffen in den Ballungsgebieten mittlerweile auf ein solches Überangebot an solventen Mietern , dass es nicht mehr das Geld allein ist das entscheidet sondern die „Fähigkeit“ sich dem Vermieter unterzuordnen.

In so einem Umfeld bringt meiner Meinung nach auch das üppige Aktiendepot nichts, wenn euch keiner eine Wohnung vermieten will weil ihr euch ggf über kaputte Heizungen beschweren könntet oder (wie es in der Doku einer der Makler beschreibt) „das Gesicht eh schon so verkniffen aussieht“.

Ich wohne zum Glück nicht in oder an einem dieser Ballungsräume , das grundsätzliche Problem trifft aber auch auf dem Land zu und wird sich verschärfen. Je mehr gut-verdienende Mieter auf immer weniger Wohnraum treffen , desto „wertloser“ wird das ersparte Geld wenn ihr auf eine Wohnung bestimmter Größe oder Lage angewiesen seid.

Und jetzt zur Reportage – Ihr habt´s vermutlich schon erraten, gemeint ist die Wallraff-Reporter Untercover Reportage die gestern (01.10.2018) bei RTL ausgestrahlt wurde und hier in der Mediathek angesehen werden kann:

Reporter Undercover Doku

2 Replies to “Tvtipp: Warum ein selbstgenutzte Immobilie doch nicht das schlechteste ist

  1. In den Städten in denen Wohnungsnot herrscht muss für die Wohnung dann diesbezüglich auch ein höherer Preis gezahlt werden.

    Es gibt tatsächlich Kombinationen in denen eine Wohnung in Deutschland auch aus Geldtechnischer-sicht auch Sinn macht.

    Kleines Beispiel, du bist bei deiner Rente angekommen, du Lebst von deinem Aktiendepot das via Günstiger Prüfung besteuert wird. Wir nehmen in diesen Fall an, dass der Mietzins der Aktienzins wäre. Nemen wir mal 800€ pro Monat.

    Mit Wohnung:
    Nur Aktiendepot

    Ohne Wohnung:
    Aktiendepot muss zusätzlich 800€ erwirtschaften, du rutscht in der Steuer hoch -> Sprich 9.600€ die mehr zu versteuerndes Einkommen sind –> weniger Netto.

    Natürlich macht eine Wohnung meist unflexibler. Aber es gibt sie, die kleinen Kombinationen in denen Wohnungen Sinn machen. (Das sage ich als jemand der Wahrscheinlich immer zur Miete wohnen wird)

    Gruß,
    Pascal

  2. Guter Ansatzpunkt, allerdings ist bei angespannten Märkten auch der Kauf einer Immobilie kein leichtes Unterfangen und gerade für Erstkäufer nicht einfach, z.B. wenn schon vor Baubeginn gekauft werden muss oder Gebrauchtimmobilien schon weg sind, wenn man endlich die Finanzierungszusage in der Hand hält.
    Aus finanzieller Sicht ist meiner Meinung nach der wichtigste Faktor einer, der sich schlecht vorhersagen lässt: Nämlich die weitere Entwicklung der Mieten. Die Abzahlung eines Kredits lässt sich heute einigermaßen planen und schlaue Leute lassen sich die Zinsen für 20 Jahre festschreiben und sind dann mit Sondertilgungen etc. irgendwann berechenbar ihre Schulden los. Die Entwicklung der eigenen Miete lässt sich jedoch schwer vorhersagen. Wer vor 10 Jahren in Berlin eine Wohnung gekauft hat, wurde vielleicht von den günstig zur Miete lebenden Nachbarn ausgelacht. Heute zahlen einige das Doppelte und blicken neidisch auf die Immobilienbesitzer. Es hätte aber auch anders kommen können und niemand weiß, was die Zukunft bringt. Deutschland kann weiterhin Anziehungspunkt innerhalb einer funktionierenden EU bleiben und sich wachsender Bevölkerung trotz niedriger Geburtenrate erfreuen. Genauso gut kann aber auch die EU auseinanderbrechen, die Freizügigkeit eingeschränkt werden oder Deutschland einfach wirtschaftlich abstürzen und daher nicht mehr attraktiv für Zuzügler sein. Dann zahlt man einen hohen Kredit ab, obwohl die Miete günstig geblieben wäre und die gekaufte Wohnung nicht an Wert gewonnen hat.
    Aber das weiß man natürlich erst hinterher. Ist also alles eine Glaubensfrage.

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