Warum ich Buy&Hold hier nicht durchgehalten habe – Eckert&Ziegler

Eigentlich hätte ich von mir behauptet so ziemlich ein Buy & Hold Anleger zu sein – zumindest nach dem was man im Wortsinne damit assoziiert. Aktien und ETFs kaufen, am besten dividenden-starke natürlich und dann vergessen. Die Gewinne laufen lassen, die Verluste aussitzen und immer weiter am passiven Einkommen partizipieren. So war der Plan – von dem ich nun aber abgewichen bin.

Die Buy&Hold Bibel von Gerd Kommer.*

Eckert und Ziegler Aktie

Die Aktie der Firma Eckert und Ziegler habe ich mir 2016 zum (Wieder-)Einstieg in die Aktienwelt gekauft ( WKN: 565970 ISIN: DE0005659700 Symbol: EUZ ).
Eckert und Ziegler sind ein Hersteller von radioaktiven Komponenten u.a. für die Medizintechnik. Auf diesem Gebiet gibt es nicht allzuviel Wettbewerb und Eckert und Ziegler spielen vorne mit.

Der Gewinn pro Aktie war im Jahr 2016 zurückgegangen und die Aktie deshalb etwas schwächer unterwegs als 2015 . Allerdings weit entfernt von Tiefständen wie 2009. Also alles moderat.

Eckert und Ziegler Aktie – Tief in 2009 – Mein Einstieg in 2016

Das war im Prinzip alles was ich mir 2016 über diese Aktie angelesen hatte. Ich suchte damals nur nach guten Dividenden-Aktien und entschied aus dem Bauch heraus.

Die Dividendenrendite von Eckert und Ziegler lag 2016 bei 3 %. Ich hatte mir (ebenfalls reine Bauchentscheidung) 3 % Dividendenrendite als Minimum gesetzt und home-bias sei „Dank“ eigentlich nur den DAX im Auge.

Kauf und Entwicklung der Eckert und Ziegler Aktie

Aktienkurs 2016 : 19,93 €

Ich kaufte mir damals für knapp 1000 € 50 Aktien des Unternehmens. Ziel war wie gesagt einfach Buy and Hold und die Dividende als passives Einkommen zu nutzen.

Und genau so bin ich auch vorgegangen. Ich habe natürlich jeden Monat mal in den Account gekuckt, mal war der aktuelle Wert aller Aktien größer, mal kleiner. Alles in allem aber nach meinem Initialkauf nur noch passives Investieren per ETF Sparplan.

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Die Aktie entwickelte sich im Nachgang betrachtet wirklich stabil (um nicht zu sagen gut):

2016 von 19.90 auf knapp 27 €

Ariva Chart Eckert und Ziegler im Jahr 2016

Schön zu sehen, aber ich hatte einen allgemein guten Einstiegspunkt erwischt. So ziemlich alles was ich gekauft hatte ging in den nächsten Monaten nach oben deshalb lief die Eckert und Ziegler Aktie da einfach mit.

2017 dann der erste ordentliche Sprung – fast 100% Steigerung

Ariva Eckert und Ziegler Chart aus 2017

Das fand ich natürlich schön aber auf der anderen Seite : was war 2017 nicht gestiegen? Ich muss sagen, dass mir dieser doch eigentlich bemerkenswerte Anstieg wirklich nicht speziell in Erinnerung geblieben ist.

2018 – gemächlicher Start aber ende des Jahres erneute Rakete – 200% Steigerung seit Kauf

Ariva Eckert und Ziegler Chart aus 2018

Aber auch hier – ich hatte hauptsächlich meinen Gesamt-Depotstand im Blick. Und der entwickelte sich 2018 auch noch wunderbar. Manche Firmen fingen an zu schwächeln, andere glichen es aus. Ich hatte keine Zeit und Lust mich um Einzelwerte zu kümmern 🙂

2019 – erneuter Kurssprung während alle anderen abkacken! Jetzt hatte sie meine Aufmerksamkeit!

Ariva Eckert und Ziegler Chart aus 2018

Bei meinem monatlichen Blick ins Depot Ende Januar 2019 trat die – sich leider abzeichnende – Ernüchterung ein. Rote Zahlen an der Übermacht. Hier mal 10% Verlust, da mal 30% runter… traurig aber solche Phasen gibt es halt auch. Aber was war das? Ein sattes Grün inmitten der roten Landschaft – 400% Kurssteigerung! Aus meinen 1000 € waren 5000 € geworden. In nur 3 Jahren. Das glich locker die Verluste von 4-5 anderen DAX Firmen in meinem Depot aus. Das ganze war natürlich genial, brachte mich aber in ein kleines Dilemma im Bezug auf mein strategische Selbstverständnis.

Ist es wirklich sinnvoll diese Aktie einfach weiter zu halten?

Ich bin in dieser Hinsicht ja ein gebranntes Kind. Hatte ich mir doch 2015 Amazon Aktien für 300 € gekauft und sie ein paar Monate später für 400 € wieder weggegeben. Das hielt ich damals für ein super Geschäft. Wer sich den Amazon Chart heute ansieht, weiß das es nicht so war. Und ich war mir natürlich sehr wohl darüber im klaren, dass nicht eine geniale Chartberechnung oder meine tiefgehende Aktienanalyse dazu geführt hat, dass ich diese Aktie im Depot hatte. Es war einfach Glück – also nichts was sich selbstverständlich beim nächsten Kauf wiederholen würde.

Buy and Hold oder Gewinne sichern?

Die Marktberichte momentan sehen bei Eckert und Ziegler noch deutlich mehr Potential. Ab 100€ kann es direkt zu 137 € gehen so ein Kommentator.

Das wäre natürlich super… aber auf den anderen Seite… was passiert wenn die Aktie wieder dreht?

Das wäre aus Strategie-Sicht kein Problem. Es geht ja nur um die Dividende und die läuft weiter – und steigt im Idealfall auch weiter:

  • Dividende 2016 : 0,60 € pro Aktie
  • Dividende 2017 : 0,80 € pro Aktie
  • Dividende 2018 : geschätzt: 0,90 €

Aber wäre ich mit der Aktie weiterhin glücklich wenn der Kurs wieder auf 20-30 € fallen würde bei gleichbleibender Dividende?

Meine Antwort: Buy und Hold schön und gut – aber etwas Gewinnmitnahme muss sein

Jetzt wo ich den Kurssprung der Aktie so realisiert (wahrgenommen) habe , könnte ich mir nicht mehr mit der gleichen Gelassenheit mein Depot anschauen wenn Eckert und Ziegler wieder abrauscht. ich hätte immer die nervende Stimme im Hinterkopf:

„Hättest du halt mal lieber verkauft als die Aktienposition 4000 € wert war – jetzt hast du wieder deine 1000 € für nicht mal 50 € Dividenden im Jahr.“

Ich schätze Dividenden – schließlich sind die passiven Einnahmen die besten. Aber ich kann mich im Kopf nicht dagegen wehren die Zahlen gegenzurechnen. 50 Aktien bringen 50 € Dividende im Jahr – mit Glück jeweils steigend.

Um nur 10 % des aktuellen Gewinns bei Verkauf (400 € vor Steuern) zu haben müsste ich die Aktien 6 Jahre lang halten. Da kann viel passieren.

Meine Entscheidung: einen Teil der Gewinne mitnehmen und reinvestieren

Ich habe mich also dazu entschlossen 10 Stück Eckert und Ziegler zu verkaufen. Es dauerte 2 Tage da ich natürlich mittels Limit Ordner das Maximum herausholen wollte aber dann hat es doch geklappt und ich habe sie über der „magischen“ 100 € Grenze losbekommen bevor die Kurse daran abgeprallt sind (leider wieder keine taktische Meisterleistung sondern Glück 🙂 ) :

Aktienverkauf

Mit dieser Position habe ich jetzt meine Anschaffungskosten wieder „reingeholt“. Sogar nach Steuern, da der Gewinn noch in meinen Freibetrag reinpasst.

Ändere ich nichts mehr werde ich mit meinen Eckert und Ziegler Aktien als NIE MEHR in die absolute Verlustzone fahren. Selbst wenn die ganze Firma den Bach runtergeht. Mein Invest + Dividenden als Plus habe ich rausgezogen und gesichert/reinvestiert. Alles was jetzt noch kommt ist (gedanklich) Gewinn.

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DAS ist ein enorm befreiendes Gefühl – dafür scheide ich auch gern aus dem „Buy & Hold Club“ aus.

Was ist eure Meinung dazu? Zieht ihr „Buy&Hold“ eisern durch oder neigt ihr auch dazu an irgend einem Punkt Gewinne zu realisieren wenn diese zu verlockend sind?

17 Replies to “Warum ich Buy&Hold hier nicht durchgehalten habe – Eckert&Ziegler

  1. Hi Oli,
    wieder ein toller Artikel von dir.
    Wie investierst du genau, bzw. in was?

    Ein Freund hat mir www. alleaktien .de empfohlen und die Analysen/Empfehlungen dort sollen sehr seriös sein. Natürlich bilde ich mir danach immer meine eigene Meinung, aber die Analysen sind recht ausführlich und umfangreich. Kennst du die Seite ? Was denkst du zu den Analysen dort?
    Ist das empfehlenswert?

    1. Hey Viko,

      danke für deinen Kommentar. Die Seite habe ich zwar schonmal gehört, da mir die 100 Werbebanner etc aber sehr auf den Sack gehen besuche ich die Seite eigentlich nicht 😉
      Die Analysen darauf sind auf den ersten Blick umfangreich. Ob Sie Qualitativ hochwertig sind kann ich nicht beurteilen.
      Ich verlasse mich beim Finden von Aktien eher auf die reinen Zahlen aus dem aktienfinder.net

      mfg
      Oli

  2. Ich halte das für reines Glücksspiel, genau wie beim Roulette. Aber wer spielen will, der hat in der Spielbank m.E. mehr von seinen Verlusten an Geld und Zeit.

    Wer mit Stock Picking und Market Timing langfristig im Schnitt risikobezogene Mehrrendite erzielen will, sollte da rationaler drangehen, z.B. durch die fundamentale Methode des Value Investing (VI) nach Graham und Buffett. Dabei unterstützten die Motley Fools weltweit.

    Da die Unternehmensanalyse des VI aber sehr aufwändig ist, bevorzuge ich den rationalen quantitativen Ansatz durch Fund Picking unkorrelierter reiner Alpha-Investments mittels kostengünstiger Managed Futures Funds (MFFs), wie z.B. dem klassischen Trendfolger Man AHL Trend Alternative. Bei toptradersunplugged.com gibt es dabei altruistische Unterstützung durch Podcaster Niels.

    Die MFFs kombiniere ich zu ebenfalls quantitativen reinen Beta-Investments mittels marktbreiter Aktienindex-ETFs der 4 Weltregionen. Damit kann man außer langfristig zuverlässig einigen Prozentpunkten Mehrrendite pro Jahr ggü. Aktienindex auch noch demnächst vielleicht wieder mal sehr hilfreichen statistischen Krisenschutz als großen Vorteil ggü. VI erhalten.

  3. Das hat nichts mit Rebalancing zu tun. Schließlich wird hier keine vorher festgelegte Assetallokation wiederhergestellt, sondern einem auf einem willkürlichen Anker basierenden Drang nachgegeben.

    Für mich muss der Investor hier für sich erst einmal klären

    a) Wie er bei dieser Sprunghaftigkeit im Crash nicht massive Verluste realisieren möchte?

    und

    b) Ob es bei so wilden Einzelinvestments tatsächlich rational ist einen Teil zu verkaufen. Entweder ist man als Investor überzeugt von einer Einzelaktie oder nicht. Aber ein bisschen überzeugt sein, das passt für mich nicht.

  4. Die Geschichte mit dem Teilverkauf, um so das investierte Kapital abzuschöpfen und so nie verlustig werden zu können, ist ein guter psychologischer Trick, den ich in der kleinen Zocker-Abteilung meines Depots („Lotto für übermütige“) auch schon mehrmals angewendet habe. Das hat auch etwas mit Rebalancing und Risikoverteilung zu tun. Bei so einer Rakete sind solche Maßnahmen angebracht, finde ich.

    Ich habe Apple-Aktien gekauft, als Steve Jobs zu Apple zurückgekehrt ist. Das war damals hochriskante Zockerei, Appel war zu der Zeit am Boden. Umgerechnet auf Euro habe ich damals etwa einen Euro für eine Apple-Aktie gezahlt. Hätte ich seitdem einfach gar nichts gemacht, dann hätte ich heute ein Mega-Klumpenrisiko-Problem (…ich weiss, als weiser Investor kauft man keine Zocker-Aktien, dann tritt diese Problem erst gar nicht auf…). Ich habe aber mehrfach zwischendurch verkauft, mir davon dann langweilige ETFs (für mein Langfrist-Depot) sowie Apple-Produkte gekauft. Und der Sturz der Apple-Aktie von 200 auf 125 Euro hat mich so gar nicht berührt.

  5. Sind es nicht 300% Kursgewinn?
    1000 -> 2000 sind 100%
    1000 -> 3000 sind 200%
    1000 -> 4000 sind ???
    Aber sonst guter Move😊
    Einzelaktien abbauen und in ETFs stecken, dann gibt‘s weniger Probleme mit „mentaler Kontenfuehrung“?
    LG Joerg

    1. Hey Jörg,
      Danke für deinen Kommentar.
      Ich glaube diesmal hab ich zur Abwechslung richtig gerechnet. 😀

      Onvista hat mir zum Verkaufszeitpnkt 396% angezeigt.

      20 -> 40 sind 100%
      20 -> 60 sind 200 %
      20 -> 80 sind 300 %
      20 -> 100 sind 400 %

      mfg
      Oli

        1. Ah jetzt weiss ich was du meinst, ja irgendwie hab ich da nen Tippfehler drin, ich schau morgen mal genauer, danke 🙂

        2. Hey Jörg,

          ich hab nochmal nachgeschaut und es ist oben tatsächlich falsch.
          Aus 1000 waren 5000 geworden (50 Aktien á 20 € wurden 50 Aktien á 100 €).
          Ich hatte den Screenshot auf dem die 4000€ stand gezogen nachdem ich schon 10 verkauft hatte 🙂

  6. Ich würde mir an deiner Stelle ganz dringend Gedanken zu meiner Anlagestrategie machen. Solange dieses brutale Hin und Her zwischen den Philosophien regiert, hast du noch Arbeit vor dir. Für mich als B&H-Anleger geradezu schmerzhaft zu lesen.

    1. Hey Pedro,

      danke für deinen Kommentar. Beim ETF hab ich diesen geistigen Kampf irgendwie nicht. Wenn der ganze ETF 100,200,300% steigt könnte ich ihn vermutlich „ohne schmerzen“ halten weil ich gedanklich wüsste : „Wenn der wieder in die tiefe fällt haben wir ganz andere Probleme“.

      Bei einer einzelnen Firma hab ich da irgendwie mehr „Angst“ dass irgendein Shortseller Trick oder ein dämlicher Manager das ganze „Geld“(Kurswert) absichtlich oder unabsichtlich vernichtet (siehe aktuell Wirecard).

      Ich vermute solange ich Einzelaktien habe , werde ich kein „richtiger“ Buy & Hold Anleger werden 🙂

      mfg
      Oli

    2. Hallo Pedro,
      wenn ich mal nur die rein technischen Aspekte betrachte, hat Oli ein Rebalancing betrieben. Eine stark/überproportional gewachsene Position teilverkauft und das Geld neu investiert, d.h. breiter diversifiziert.
      Meiner Meinung nach ein vernünftiger Schachzug, wenn er so seine Emotionen beruhigen kann. Ich fürchte nur, dass so eine Konstellation mit so viel Dusel beim Stockpicking eher der seltenere Fall ist.

      @Oli: Viel Erfolg beim weiteren Investieren!

      1. Danke Michi,
        ich will auch auf keinen Fall Stockpicking betreiben – eben weil ich weiss das es höchstens mal zufällig klappt.
        Mit dem Trade bin ich aber zufrieden 🙂

  7. Hi Oli,

    Ich hätte genauso reagiert wie du, denn die Rendite die du durch den Verkauf der Aktie gemacht hast bekommst nicht so schnell durch die Dividende rein.

    Wie du bereits geschrieben hast, lieber den Gewinn einsacken und in neue Dividende Titel investieren. So steigert du auch deine Dividenden.

    Von mir auf jeden Fall ein Glückwunsch dazu.

    Gruß,
    Gerrit

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