Inkasso, Anwalt, Mahnverfahren Teil 3 : Inkasso insolvent , Gerichtsurteil gegen mich

Vorgeschichte:
Teil 1 : Mein erster Anwalt und was er mich kostet
Teil 2 : Das Muskelmann- Inkasso

Aktueller-Zwischenstand

Um alle die neu einsteigen ohne die Vorgeschichte gelesen zu haben kurz auf den Stand zu bringen: Ich wurde betrogen, habe mir einen Anwalt genommen , ein Gericht hat ein Urteil zu meinen Gunsten gefällt. Der beauftragte Gerichtsvollzieher konnte aber nichts pfänden. Also habe ich das Muskelmann-Inkasso beauftragt dem Schuldner zu Leibe zu rücken.

Was hat das Hausbesuch-Inkasso erreicht?

Die Muskelmänner wurden von mir Anfang 2013 beauftragt. Die Kostenaufstellung inkl. aller mir bisher angefallener Kosten habe ich auf ca. 2300 € zur Eintreibung angesetzt. Aus Schuldner-Sicht ist das eine ziemlich happige Steigerung aber durch das Urteil und die Aufwendungen eben auch nachvollziehbar.

Ich fasse die weiteren Ereignisse im Bezug auf das Muskel-Inkasso kurz chronologisch ab:

  • Januar 2013 : 1. Kontakt und Beauftragung
  • Februar 2013 : Übersendung aller ausstehenden Unterlagen
  • April 2013 : Erste Nachfrage nach dem Sachstand – ohne Reaktion
  • Oktober 2013 : Zweite Nachfrage nach dem Sachstand – ohne Reaktion
  • Da wieder keine Reaktion kam verlor ich das ganze aus dem Fokus und dachte schon kaum noch daran bis ….

Ein dickes Packet einer unbekannten Anwaltskanzlei….

Es war mittlerweile November 2015 , die ganze Geschichte hatte ich zwar nicht vergessen aber mangels Rückmeldung der Inkassofirma und da mir auch keine Unterlagen mehr vorlagen (Musste alles als Original zur Inkassofirma gehen) hatte ich mich damit nicht mehr beschäftigt.

Bis an diesem kalten Novembertag ein sehr dickes DIN-A4 Kuvert einer mir unbekannten Anwaltskanzlei eintrudelte. Das ist nicht unbedingt etwas , was man zuhause vorfinden will.

Der Inhalt:

schwach

Meine Muskelmänner sind pleite und haben mit Ihrer Firma Insolvenz angemeldet! 🙁

Im Anhang sendet mit der – als Insolvenzverwalter tätige – Anwalt alle Unterlagen zu dem Fall zu. Im ersten Moment bin ich erleichtert – ich hatte schlimmeres befürchtet. Nach Durchsicht der Unterlagen konnte ich dann leider nicht feststellen ob überhaupt etwas gegen meinen säumigen Schuldner unternommen wurde. :-/ . Das Inkasso per Hausbesuch stellte sich also in diesem Fall als ziemlicher Flop heraus.

Der nächste Anlauf : das seriöse Inkassobüro

Das war also mal wieder ein richtiger Reinfall mit meinem „harten Inkasso“. Vor allem, dass ich als „Kunde“ überhaupt keine Informationen bekommen habe störte mich doch sehr. Deshalb sollte der neue Anlauf jetzt über ein „professionelleres“ Inkassobüro laufen.

Also wieder über Google gesucht und sogar in der schönen Pfalz bei mir in der nähe ein sehr gut bewertetes Inkasso-Unternehmen gefunden. Partner der Schufa, zertifiziertes Mitglied im „Bundesverband für Inkasso und Forderungsmanagement e.V.“, Mitglied im „Interessenverband für das Rechts- und Finanzconsulting deutscher Online-Unternehmen e.V.“. Und eine schöne Internetseite mit Onlinezugriff auf die „Akten“ hatten sie auch. Das lässt zumindest mal auf einen korrekten Umgang mit mir als Kunden und auf Erfahrung schließen.

Was kostet ein seriöses Inkassobüro?

Die Kosten für die Inkasso Dienstleistung waren wieder sehr schnell geklärt:

  • Keine Kosten bei Nichterfolg im außergerichtlichen Verfahren (Volles Risiko beim Inkassounternehmen)
  • 100% Auszahlung bei Erfolg – die Inkassokosten werden dem Schuldner zusätzlich auferlegt.
  • Im gerichtlichen Verfahren müssen die anfallen Gebühren (Gerichtsvollzieher, Mahnbescheid etc . ) vom Kunden vorgestreckt werden, werden im Erfolgsfall aber ebenfalls dem Schuldner aufgebrummt – das kannte ich ja schon ^^ –

Also auf ein neues. 🙂 Im Dezember 2015 habe ich alle Unterlagen wieder im Original beim Inkassobüro abgegeben.Auch hier denke ich eine chronologische Aufstellung macht am meisten Sinn

  • Dezember 2015: Auftragserteilung und Übergabe der Unterlagen
  • April 2016: Nachfrage nach dem Stand – Antwort: es liegt keine Akte vor…. Nicht im Ernst?
  • Mai 2016: Akte wurde gefunden ( 🙂 ) und neue Adresse des Schuldners ermittelt. Er ist mittlerweile nach Berlin gezogen – na hoffentlich wegen eines Jobs,
125euro

Die aktuelle Kostenaufstellung weißt übrigens mittlerweile eine Summe von 9500 € auf 🙂

  • Juli 2016: Das aussergerichtliche Inkasso war erfolglos , man schlägt vor die Zwangsvollstreckung zu beantragen. Kostenschätzung : 40 -70 €. Ich stimme zu.
  • Dezember 2016: Die Rechnung für die Zwangsvollstreckung trudelt ein: 108 € für 2 „Termine“ + 20 € Gerichtskosten – na super….
  • Dezember 2016: eine weitere Mail informiert mich, dass beim Schuldner erneut nichts zu holen war. Die 128 € also wieder nur als „Ausgabe“ verbucht werden können. Man „überwache“ den Schuldner aber weiterhin. – Dieser Scheißer hatte also noch immer keinen Job und kein Geld :-(((
  • August 2017 : Eine weitere Rechnung über 20 € Gerichtsgebühren kommt an. Ich frage beim Inkassobüro nach was das jetzt wieder soll – erhalte keine Antwort.
  • September 2017 : Das Inkassobüro erinnert mich per Mail an die noch offene Rechnung – ich frage erneut nach dem Grund und verweise auf die im August geschickte Nachfrage – keine Reaktion.
  • September 2017 : Das Inkassobüro teilt mir mit das der Schuldner „unbekannt verzogen“ ist und fragt ob eine neue Anschriftsermittlung durchgeführt werden soll. Kostenpunkt 18 € – ich zahle.
  • September 2017: Mir platzt ein wenig der Kragen und ich sende eine Mail , ein Fax und einen Brief an das Inkassobüro in der ich mich über die unklaren Rechnungen beschwere und die aktuelle Vorgehensweise in Zweifel ziehe.

Oktober 2017: das Inkassobüro droht mir mit einem gerichtlichen Mahnverfahren wenn ich die offene Rechnung nicht bezahle. – Ich glaub ich bin im falschen Film und greife zum  Telefonhörer.

  • November 2017: Man hat nach einem Telefongespräch- dass mir in Punkto Selbstbeherrschung alles abverlangt hat – eingesehen, dass mehrere Kostennoten falsch waren und meine letzten Nachrichten anscheinen nicht ankamen. Der zuviel gezahlte Betrag (18 €) wird mir als Guthaben verbucht.
  • Januar 2018: Ich rege an das – mir nicht mehr vorliegende- Gerichtsurteil zu prüfen ob man gegen Schuldner 2 vorgehen kann , wenn bei Schuldner 1 offensichtlich nichts zu holen ist.
  • Dann passiert wieder lange Zeit nichts und ich beschäftige mich nicht damit bis…
  • Dezember 2018: das Inkassobüro schickt mir alle Unterlagen zurück mit der Information , dass man die Eintreibung mangels Erfolgsaussichten einstellt und den Auftrag zurückgibt. Lediglich die beiliegende Kostennote sei noch zu bezahlen….

Gerichtsurteil GEGEN mich !?!

Beim lesen des Schreibens denke ich mir noch … „welche Mistgebühren muss ich jetzt wieder zahlen“… doch bei Durchsicht der Akten muss ich mehrmals nachlesen : Dem Schreiben liegt ein Gerichtsurteil GEGEN mich bei. Das ganze in Form eines sog. „Kostenfestsetzungsbeschlusses“ der sich gegen mich richtet und mit knapp 400 € datiert ist die ich an eine fremde Anwaltskanzlei zu zahlen habe.

Ich falle aus allen Wolken – wie kann man das bitte so verbocken???– und fange mich an durch die Unterlagen zu lesen.

Was war passiert?

Es stellte sich heraus, dass nach meiner Anregung im Januar 2018 (prüfen ob man gegen weitere im Urteil genannte Personen vorgehen kann) nicht viel geprüft wurde.

Man leitete direkt eine Zwangsvollstreckung gegen Schuldner(in) 2 ein die im Urteil zwar als Beschuldigte aber nicht als Verurteilte geführt wird. (Gerichtsurteil im Teil 1 des Beitrages).

Die Gerichtsvollzieherin lehnte die Zwangsvollstreckung mangels vollstreckbarem Titel gegen diese Person aber (natürlich) ab.

Was macht das Inkassounternehmen? Statt sich kurz den Sachverhalt anzuschauen und den Fehler zu erkennen , legt sie rechtliche Einwände (juristisch heißt das wohl „Erinnerung“) ein um die Gerichtsvollzieherin zu zwingen die Zwangsvollstreckung durchzuführen.

Sogar mir als Laie ist sofort klar, dass das eine saudumme Idee war. Die „Gegenseite“ nimmt sich natürlich einen Anwalt und stellt entsprechend einen Antrag auf Abweisung dieser „Erinnerung“ sowie auf Kostenfestzsetzung seiner Auslagen.

Erst jetzt erkennt das Inkassobüro anscheinend was es da fabriziert hat, zieht seine „Erinnerung“ zurück und versucht noch die vorgebrachten Kosten des Gegenanwaltes als unbegründet hoch anzugreifen. Das Gericht lehnt dies aber ab und verurteilt mich die Kosten zu erstatten.

Inkasso beim Inkassobüro?

Kurz vor Weihnachten ein Urteil gegen sich zu erhalten, zusammen mit einer 400 € Rechnung auf das man so absolut nicht vorbereitet war zieht doch „ein wenig“ runter soviel kann ich euch sagen ^^.

Ich überlegte mir wie ich mich dagegen wehren konnte. Aber Geld von einer Firma zurückfordern die selbst aufs Geld einfordern spezialisiert ist? Wie hoch mögen da meine Chancen sein? Und reite ich mich da im Zweifel noch tiefer in die Kosten? Was ist wenn das Inkassobüro dann einen Anwalt gegen mich in Stellung bringt? Ich wollte Geld haben und gegen einen Schuldner vorgehen – nicht vor Gericht mit einem Inkassobüro teuer streiten.

Hilfe in der Not: Kostenfreie anwaltliche Erstberatung

Ich wusste absolut nicht was ich tun sollte. Zahlung akzeptieren und die Klappe halten oder dagegen vorgehen und evtl schlimmeres provozieren? Ich brauchte fachkundigen Rat von einem Anwalt. Ich suchte also in meiner Umgebung nach spezialisierten Fachanwälten für Vertragsrecht. Aber die wollten 70 -150 € nur für eine erste Beratung und Einschätzung. Es war zum auswachsen – um Geld zu sparen musste ich riskieren noch mehr Geld zu verlieren. Ein Teufelskreis. Glücklicherweise fand ich einen Ausweg:

advocado – eine Onlineplattform mit der man zu verschiedenen Rechtsbereichen einen Anwalt finden kann. Doch nicht nur das : Man kann sich auch eine kostenfreie , anwaltliche Erstberatung geben lassen!

Das war genau was ich gesucht hatte, die Anmeldung war in 5 Minuten erledigt, ich schilderte meinen Fall in 7- 10 Sätzen, ergänzte relevante Dokumente und wartetet…. genau einen Tag! Dann hatte ich schon die ausformulierte Erst-Meinung eines spezialisierten Fachanwaltes für Vertragsrecht in meiner Mailbox.

Er räumte mir gute Chancen ein, gegen das Inkassobüro vorgehen zu können, da sich diese vertragswidrig verhalten hätten. Er könnte alles weitere Unternehmen. Der Erstmeinung legte er ein Angebot bei für 59 € weitere Schritte zu unternehmen. Das war weniger als ich bei manchen Anwälten allein für die Erstberatung gezahlt hätte.

Das Inkassobüro lenkt ein

Mental bestärkt durch die anwaltliche „Rückendeckung“ schrieb ich einen Brief an die Inkassofirma in der ich mich über das Vorgehen beschwerte. Man hatte hier einen Prozess in meinem Namen geführt und verloren, zu dem ich weder meine explizite Zustimmung gegeben hatte noch dass ich darüber informiert worden wäre.Außerdem erwähnt ich, dass ich eine anwaltliche Gegenwehr gegen diese mir auferlegten Kosten prüfen würde.

Die Erleichterung kam bereits ein paar Tage später.

Die Inkassofirma teilte mir mit, dass ich die 400 € zwar überweisen müsste , aber Sie mir den Betrag erstatten. Das Geld war sogar schon auf meinem Konto! Damit konnte ich gut leben. Alles in allem war die Arbeit des Inkassobüros solide und letztendlich doch relativ günstig. Zahlen musste ich wirklich nur die Gerichtsvollzieherkosten und Gebühren für Gerichte. Dennoch kündigte ich den Vertrag mit dem Inkassounternehmen und widerrief auch meine erteilte Vollmacht. das jemand anderes in meinem Namen Gerichtsprozesse führt und diese auch verlieren kann, fand ich dann doch nicht so gut.

Ende gut alles gut?

So würde ich das nicht nennen… Was hat das ganze gebracht? Welche Kosten für Anwälte und Inkassofirmen sind aufgelaufen ? Würde ich das wieder so machen oder was würde ich empfehlen wenn man Geld von jemandem haben will?

Das alles werde ich euch im Abschlussteil nächste Woche zusammenfassen.
Teil4 : Fazit , Kosten und Empfehlungen zum Thema Anwalt und Inkasso
Danke fürs lesen 🙂

8 Replies to “Inkasso, Anwalt, Mahnverfahren Teil 3 : Inkasso insolvent , Gerichtsurteil gegen mich

  1. Hallo Oli,

    wie bei den letzten beiden Beiträgen finde ich es wieder super spannend den Verlauf zu verfolgen. Ich hätte nicht gedacht, dass selbst bei einem „seriösen“ Inkassobüro du so oft im Regen stehen gelassen wirst und immer alles mit einem Anwalt gelöst werden muss. Aber leider können viele Leute sich keine Fehler eingestehen.

    Was man positiv sehen kann ist das du über die letzen Jahre eine ganze Menge über unser Rechtssystem gelernt hast und ich finde es wirklich super von dir das du uns daran teilhaben lässt.

    Bleib am Ball Oli.

    Gruß Gerrit

  2. Hallo Oli,
    DIe Menschen haben leider die Angewohnheit sich gegenseitig finanziell auszubeuten, deshalb ist ja so ein grotesk großer Rechtsapparat notwendig, damit wir uns nicht gegenseitig an die Gurgel gehen, aber nichtsdestotrotz darst du deinen Glauben nicht an das Unternehmertum verlieren.
    Wenn jeder Kunden-Unternehmerkontakt so ablaufen würde, dann wäre bald keine Firma oder Dienstleister mehr da, der noch etwas anbieten könnte.
    Das sind Ausnahmen, die leider die Regel bestätigen. Und natürlich darf man jetzt nicht nur die Kunden in die Verantwortung nehmen, es gibt auch genügend Firmen, die Ihre Rechnungen nicht zahlen.
    lg Stefan

    1. Hey Stefan,
      Danke für deinen Kommentar. Keine Sorge, den Glauben ans Unternehmertum verliere ich dadurch nicht 🙂

      Es ist aber nur wieder ein weiteres Feld in Deutschland in dem der Täter(Betrüger) durch die Gesetze noch geschützt wird während man als Betrogener die Arschkarte ziehen soll.

      mfg
      Oli

  3. Abgesehen von den ganzen Kosten, die Du dann nächste Woche schön säuberlich auflisten wirst. Bedenke die Nerven, die Du dabei gelassen hast. Das ist doch ein klassischer Fall von: Es hat schon soundsoviel gekostet. Das gebe ich jetzt nicht auf. Also zahle ich noch weiter für den nächsten Schritt, und weiter und weiter. Aber es sind alles „sunk costs“. Ich weiß nicht, wie ich mich an Deiner Stelle verhalten hätte, ich kann auch Deinen Ärger nachvollziehen. Aber wahrscheinlich hätte ich schon vor dem Muskelmann-Inkasso aufgegeben. Es ist sehr lehrreich, so etwas mal Schritt für Schritt vor Augen geführt zu bekommen. Danke.

    1. Hey Petra,

      danke für deinen Kommentar – ja das war so ein wenig die Intention. Ich hatte damals keine wirklichen Informationen gefunden was alles passieren kann bzw welche Möglichkeiten man hat und mit welchen Kosten die einzeln verbunden sind.
      Daher die hoffentlich hilfreiche Beitragsserie.

      ja die „nicht-materiellen Aufwendungen“ werde ich auch in mein Schlussfazit mit einfließen lassen 🙂

      mfg
      Oli

  4. Am Ende fragt man sich echt, ob der ganze Stress und Nerven die paar hundert € wert waren. Aber ich kann verstehen, dass man die Sache einmal durchzieht, alleine schon um zu sehen, ob man Gerechtigkeit in einem Rechtsstaat bekommt. In Deinem Fall muss die Antwort wohl leider NEIN heißen.
    Da braucht man sich nicht wundern, wenn es Menschen gibt, die sich selber wenigstens „Genugtuung“ holen, wenn Sie durch den Staat so sehr im Stich gelassen werden.

    1. Hey Elduderino, Danke für deinen Kommentar.

      Ja rein wirtschaftlich betrachtet hat sich das ganze auf keinen Fall gelohnt, emotional zumindest ein bischen. Ich werde das im nächsten Post noch etwas ausführlicher auswerten/zusammenfassen.

      mfg
      Oli

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